Regensburg 2002

home
Konzert-Termine
Repertoire
Mitglieder
Bilder
Kontakt
Presse
Mittelbayerische Zeitung vom 14.10.2002
Diese "Hugenotten" sind ein Meisterstück
Große Oper trotz konzertanter Aufführung
von GERHARD DIETEL, MZ

REGENSBURG ,,Das neue Theater- und Gesellschaftsgebäude steht nun außen und innen vollendet da", konnte das ,,Regensburger Tagblatt" am 13. Oktober 1852 melden, als nach dem verheerenden Brand des Theaters von 1849 der Wiederaufbau abgeschlossen war. Zur Eröffnung wählte man damals ein anspruchsvolles zeitgenössisches Werk: nichts Geringeres als die ,,Hugenotten" von Meyerbeer, wobei man aus Repräsentationsbedürfnis vielleicht zu hoch griff. Von ,,ungenügender Durchführung" und ,,Schwimmen... durchgehends in der ganzen Oper" berichtete der Rezensent im lokalen ,,Conservationsblatt". 150 Jahre später sind, als Jubiläumsveranstaltung, am damaligen Jakobs- und jetzigen Bismarckplatz wieder die ,,Hugenotten" zu hören, aber diesmal mit weit besserem Gelingen, ja musikalisch geradezu begeisternd. Zu hören: Denn das die Dimension der Regensburger Bühne szenisch wohl sprengende Werk gibt es nur konzertant zu erleben. Der Orchestergraben ist abgedeckt, Philharmonisches Orchester, Solisten und Chöre sind auf der Bühne postiert: Eine ungewohnte Hörperspektive, die den Instrumentenklang direkter, unvermischter ertönen lässt als gewohnt, dafür aber auch Meyerbeers wirkungsvoll eingesetzte Instrumentalsoli optisch unterstreicht.

Musik klar im Vordergrund

Die ,,Große Oper" über die historische Bartholomäusnacht, schon anlässlich der Uraufführung vom Komponisten zu aufführungspraktischer Länge gekürzt, erlebt man in einer weiter reduzierten Drei-Stunden-Version, was Meyerbeers  dramaturgischer Konzeption zwar nicht sonderlich gut tut, aber bei fehlender szenischer Realisation auch keinen großen Schaden mehr macht. Zudem gibt es da zum besseren Verständnis noch die Chefdramaturgin. Friederike Bernau: Als Moderatorin fasst sie mit Zwischentexten für das Publikum die Opernhandlung abschnittsweise zusammen. Unter solchen Auspizien steht eindeutig die Musik im Vordergrund, die in raffinierter Weise den Wechsel zwischen privater und öffentlicher Handlung, zwischen Liebes- und Staatsaffäre widerspiegelt: im Gegeneinander von großen plakativen Chorszenen oder Ensembles einerseits und geradezu kammermusikalischer Intimität andererseits. GMD Guido Johannes Rumstadt weiß dies gut herauszuarbeiten und hat bei den Höhepunkten die Koordination der zahlreichen Mitwirkenden fast immer gut im Griff.

Grandiose Sänger

Die ,,Hugenotten" werden in Regensburg zum Sängerfest. Was an Ausstattung fehlt, machen die stimmlichen Leistungen mehr als wett. Nobel gibt Adam Kruzel den Nevers, während David Cale Johnson seinen Marcel ganz als alten Haudegen anlegt, zunächst sogar leicht buffonesk, dann aber auch mit zunehmend weich-menschlichen Zügen. Mi Soon Jang gestaltet die Partie des Pagen Urban locker und beweglich, während Katharina E. Leitgeb eine überaus majestätische und zugleich koloraturwendige Königin Margarethe repräsentiert. Von einer vorab angekündigten Indisposition war bei ihr nichts zu bemerken. Großartig wirkt schließlich noch das zentrale, nach Wirrungen doch noch vor dem Tod zusammenfindende katholisch- hugenottische Liebespaar: Juuso Hemminki singt den Raoul mit Kraft, Glanz und Wärme, und Sonja Mühleck zeichnet ein sehr differenziertes, hochemotionales Porträt der Valentine. 

Beängstigende Darstellung

   In den kleineren Partien besticht Ingrid Dominique als Ehrendame, während Michael Doumas' St. Bris bisweilen etwas kehlig klingt. Die übrigen Männerpartien sind gut  rollendeckend besetzt. Vorzügliches leisten weiter der von Karl Andreas Mehling vorbereitete Opernchor und die zur Verstärkung hinzukommenden ,,Cantaloupes Parsberg" (Einstudierung Walter J. Hansch). Sie sorgen nicht nur für Kolorit in den Genreszenen des Werks, sondern steigern sich bis zur beängstigenden Darstellung fanatischen Massenwahns in den abschließenden Mordszenen der Bartholomäusnacht. Anhaltender Applaus, durchmischt mit Bravi, dankte zum Schluss allen Ausführenden dieser Premiere, bei der man noch ein paar leere Plätze im Zuschauerraum sah. Das sollte sich bei den kommenden Wiederholungen ändern: Mit den ,,Hugenotten" gibt es sängerisch wahrhaft ,,Große Oper" zu erleben. Freunde des Gesangs: Auf zum Bismarckplatz!