Amberg 2003

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Amberger Zeitung vom 20. 10. 2003
Zwischen Klassik und Moderne
Vokalensemble "Cantaloupes" bringt Musik mit Texten von Paul Gerhardt und Friedrich von Spee
von MARIELOUISE SCHARF

Amberg. "Vielseitig" ist ein Schlagwort, "abwechslungsreich" das andere. Beide treffen auf den "Abend voller Lieder" am Samstag in der Bergkirche zu. Viele Facetten, ein geschmeidig flexibler Klangkörper und Inspiration in Hülle und Fülle, kann man dem Vokalensemble "Cantaloupes" aus Hemau bescheinigen.

Dazu bewiesen sie noch ein feines Gespür für ein musikalisch und literarisch spannend arrangiertes Programm. Das Publikum hielt es jedenfalls beim Schlussapplaus nicht mehr auf den Kirchenbänken. Es gab Standing Ovations für dieses gelungene Samstagabend-Konzert in der Mariahilfbergkirche. Das Bild, das der Chor bot, war schon sehr beeindruckend. Ganz in Schwarz mit roten Schals hatte sich das Ensemble im Chorraum aufgebaut. Das prachtvolle Gotteshaus lieferte den stimmigen Barockrahmen. Durch das hohe, erleuchtete Kirchenschiff jubelte es zu Ehren des Schöpfers.

Hier hinein passten die Lieder, die alle zum Lobe Gottes und seiner Schöpfung geschrieben wurden - vom protestantischen Paul Gerhardt und vom katholischen Friedrich von Spee. Die Texte der frommen Kirchenlieder und der geistlichen Volkslieder erzählten von kindlicher Gläubigkeit und Gefühlsinnigkeit. Jede Zeile spiegelt die Demut des Herzens wider und richtet den Blick auf die Schönheit der Natur. Die Musik öffnet schließlich den Himmel.

Bach und Brahms haben die Texte mit ihrem Genie in Melodien verwandelt. Gewaltige Tonkaskaden, ehrfürchtige Hymnen an den Großen, den Schöpfer sind so entstanden. Dichtung in Noten übersetzt, Stimmungsbilder skizziert und festgehalten. so überliefert es die  Musikgeschichte. Der Chor mit seinem Leiter Walter Johann Hansch verinnerlichte diese Barockmusik. Doch man tat noch mehr. Man schrieb Sätze neu, man arrangierte im Stil der Swingle Singers oder Kings Singers, man transponierte in die Rhythmen der heutigen Zeit und verknüpfte Tradition mit Moderne.

Die Lieder wurden so zu eigenwilligen Gesamtkunstwerken, zu frommen Lobeshymnen, zu stilvoll arrangierten Musikerfahrungen. Das "Oh Haupt voll Blut und Wunden" wurde in Gemeinschaft mit dem Publikum, im Chor und mit Solisten, nach Bach und nach der Bearbeitung von Walter Hansch vorgetragen. Eine moderne, mutige Dramaturgie mit schwierigen Intonationen, die der Chorleiter seinem jungen Ensemble abverlangte.

Der Abend war geprägt von der Persönlichkeit des Chorleiters. Temperamentvoll und spritzig verband er Altes mit Neuem. Er wagte sich mit seinen aufmerksamen und stimmlich hervorragend geschulten "Cantaloupes" auf unbekannte Wege. Die Uraufführung des "Lobet den Herren" von Wolfram Menschick zählte schließlich zu einem der Höhepunkte des Programms. Hier unterstützten Violinen, Violoncello und Orgel den aufregenden Vortrag.

Das Halleluja im "Lasst uns erfreuen herzlich sehr" nach dem Text von Friedrich von Spee und in der Bearbeitung von Walter Hansch bezeugte jugendliches Temperament. Fast war man an überbordende Gospelgesänge erinnert. Davon gab es dann als Zugabe und noch ein "Jauchzet dem Herrn" von Mendelssohn-Bartholdy.