Regensburg 2004

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Mittelbayerische Zeitung vom 26.7.2004
Mahler in magischen Momenten
Guido Johannes Rumstadt dirigierte zum Abschied Riesenapparat
von GERHARD DIETEL, MZ

REGENSBURG. Sorgenvoll muss Odeon-Manager Reinhard Söll am Freitag zum Himmel geblickt haben: Gewitter- und Sturmwarnungen verhießen nichts Gutes für das abendliche Open-Air-Event, die Aufführung von Mahlers Achter im Innenhof des Schlosses derer von Thurn und Taxis. Aber dann ging's doch recht glimpflich ab: Donnergrummeln, Wetterleuchten und zeitweiliges leichtes Nieseln begleiteten die erste Konzerthälfte, doch blieb das große Unwetter aus.

Gigantisches Personal

War es die machtvolle Anrufung Veni, creator spiritus zu Beginn der Sinfonie, die die dunklen Wolken über dem Schlosshof vertrieb? In Mahlers kolossalischer Vertonung des alten Pfingsthymnus konnte sich die ganze Klanggewalt des von Guido Johannes Rumstadt geleiteten Riesenapparats entfalten, der auf dem Podium versammelt war: bestehend aus dem Philharmonischen Orchester Regensburg und dem Orchester des Südostbayrischen Städtetheaters aus Passau, den Theaterchören beider Städte und weiteren Sängern des Vocalensembles Cantaloupes, des Kammerchors Straubing, des Heinrich-Schütz-Ensembles Vornbach und der Gesellschaft der Musikfreunde Passau, nicht zu vergessen natürlich die Regensburger Domspatzen, die der Aufführung eine weitere, jugendliche Klangfarbe hinzufügten.

Ein wenig ermüdete das fast ununterbrochene Dauer-Fortissimo der ersten Sinfonie-Hälfte, deren Komposition an einem inneren Widerspruch leidet: Die Anrufung des Heiligen Geistes kommt in einem triumphalen Klanggewand daher, als sei er gesicherter Besitz. Weitaus überzeugender wirkte Mahlers Vertonung der Schlussszene aus Goethes Faust. Faszinierend führte schon die Instrumentaleinleitung in unwirkliche, transzendente Räume, und geradezu magisch war die Wirkung des aus dem Sprechen erst allmählich ins Singen übergehenden Anfangschors der heiligen Anachoreten. Endgültig überwältigte der Eindruck des abschließenden Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis: im Pianissimo a capella beginnend, und wohldosiert zu emphatischem Jubel aller Mitwirkenden gesteigert.

Im zweiten Teil konnten auch die Vokalsolisten individuelles Profil zeigen, wobei die Damen mit Gail Sullivan und Katharina E. Leitgeb (Sopran), Carmela Calvano Forte und Maria Soulis (Alt) und der aus dem Off als Mater gloriosa ertönenden Stimme Ilonka Vöckels insgesamt mehr überzeugten als die Herren mit Thomas Johannes Mayer (Bariton), Jóhann Smári Saevarsson (Bass) und dem oft unangemessen larmoyant singenden Tenor Anders Lundh.

Applaus für scheidenden GMD

Guido Johannes Rumstadt löste die strapaziöse Aufgabe, die Vielfalt der Instrumentalisten und Sänger zum homogenen Ganzen zu koordinieren, bis auf wenige Momente vorzüglich, und sorgte für eine beeindruckende Erstaufführung des Werkes in Regensburg. Ihm, dem aus seiner Position scheidenden Generalmusikdirektor, galt am Schluss nicht nur besonderer Applaus, sondern auch der Dank des Philharmonischen Orchesters für die jahrelange erfolgreiche Zusammenarbeit.