Passau 2004

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Passauer neue Presse vom 27. 7. 2004
Teuflisches neben Engelhaftem
von Stefan Apfelbeck

Ein grandioser Abschluss der Europäischen Wochen Passau, ein Fest für Gott und die Welt

Ein gelungenerer Abschluss der 52. Europäischen Wochen als die grandios zelebrierte Achte Sinfonie Gustav Mahlers im Passauer Dom lässt sich kaum denken. Es war ein so überragend großes Ereignis, als seien alle bisherigen Konzerte der Festspiele wie eine Ouvertüre, eine kunstreiche Hinführung zu diesem strahlenden Monolithen gewesen. Noch für sehr lange Zeit wird dieses Konzert einen Widerhall in den überreich beschenkten Herzen der 1530n Zuhörer finden, denn ein solch lebendiger Mahler, wie er Sonntagabend zu erleben war, glüht und leuchtet, weist uns aufwärts und reißt uns mit, weit über unser Schicksal hinaus.
Es war etwas Göttliches anwesend, an diesem Abend. Mehrere Chöre der Region, von Regensburg über Straubing nach Passau, fanden sich unter diesem harmonischen Dach zusammen und bewiesen aufs Vortrefflichste, was mit Liebe und Ausdauer alles bewegt werden kann, einer Liebe, die für Mahler die Ursache allen Seins war. Diesen vielen Sängern vor allem gebührt größte Bewunderung, denn sie waren es, die diese zauberische Musik in eine himmlische Höhe erhoben. Sie sangen, trotz breiiger Akustik, prägnant deutlich, waren mit jedem Ton präsent, zeigten Teuflisches neben Engelhaftem, Lyrik neben Pathos und man möchte sie beneiden, denn es muss berauschend sein, ein wichtiger Teil dieser Aufführung gewesen zu sein.
„Meine Zeit wird kommen!“ hatte Mahler immer wieder gesagt. Sonntagabend war er Gast im Dom und sollte Recht bekommen mit seiner Prophezeiung. Die Orgel setzte ein im Pedal, Chor und Orchester folgten nach und das Universum begann zu tönen und klingen, als widerspiegle sich die ganze Welt in dieser Musik. Der Dirigent des Abends, Basil Coleman, legte alles unnötig Dunkle der Partitur beiseite und präsentierte ein großes Orchester im lichten Klang, hell und glockenrein. Er schlug deutlich, fordernd und gönnte sich und seinen Musikern keine Pause, keine Nachlässigkeit und hielt vom ersten bis zum letzten Ton die Zügel fest in der Hand. Ein gewiss schwieriges Unterfangen, da das gesamte Presbyterium angefüllt war mit über 400 Musikern und so immense Entfernungen entstanden. Doch zu keiner Zeit fiel der Gesamtklang auseinander. In Coleman schloss sich die Kette, die bei den jeweiligen Chorleitern und vielen Stunden Probenarbeit begonnen hatte: er und alle seine Musiker konnten sich ihrer Sache sicher sein.
Natürlich beeindruckte alleine schon der gewaltige Klangapparat, doch auch die leisen, verhaltenen Stellen dieses Werkes wusste Coleman zu gestalten. Zu Beginn des zweiten Teils malte er tatsächlich das Bild von Bergen, Schluchten, Wald und einer Einöde, so anschaulich, dass man den Boden unter den Füßen verlor. Jedoch, wo so Großes leuchtet, wird es auch Schatten geben. Leider gerieten die Gesangssolisten unausgewogen. Eine Freude waren die fünf Frauenstimmen, die sich tadellos, selbst vom heftigsten Orchestertutti, kraftvoll und gestaltend absetzten. Thomas Johannes Mayer sang als Pater Ecstaticus „Ewiger Wonnebrand, glühendes Liebesband“ voll dramatischer Expressivität, die unter die Haut ging. Sichtlich mühevoll und angestrengt jedoch sangen Johánn Smári Saevarsson (Bass) und vor allem Anders Lund (Tenor). Wo der eine (Bass) seiner Stimme noch Kraft und Lautstärke zu geben suchte, war der andere kaum und wenn, nur im Orchesterpiano zu hören, sang seine Töne von unten an und gab der Musik falsches übertriebenes Pathos, eines, das von außen, nicht vom Herzen her glänzt. Doch, dessen ungeachtet, was von diesem Abend bleiben wird, ist eine neu gefundene Wahrheit, eine übermenschliche Liebe, denn dies alles war eine Feier, war ein Fest für Gott und die Welt.